Besuch bei der Beratungstelle für Menschen, die neu starten

Solides Beratungssystem für Menschen, die neu ins Leben starten

Mein Besuch bei ABK Neustart

Etwas unscheinbar liegt in der Königstraße die Beratungsstelle ABK Neustart, der ehemaligen Straffälligenhilfe Aachen gGmbH. Hier werden Inhaftierte, Haftentlassene und von Haft bedrohte Menschen beraten. Die Beratung von Angehörigen ist ebenfalls fester Bestandteil der Tätigkeit des Vereins, ebenso wie die psychosoziale Prozessbegleitung zu dem breiten Tätigkeitsfeld der Einrichtung gehört. Ich sprach mit dem Geschäftsführer Martin Czarnojan.

So komplex wie die Problemlagen der Menschen, die beraten werden, ist auch das Portfolio der Einrichtung, die seit 1983 in Aachen diese Gruppe von Menschen begleitet. 300 bis 400 Beratungen verzeichnet die Beratungsstelle. Neustart ist mit vielen begleitenden Angeboten bereits in den Haftanstalten tätig, dort werden Integrationskurse, Suchtprophylaxen und auch Schuldnerprävention angeboten. Nach der Haftentlassung bietet Neustart in Übergangswohnungen Raum und Wohnungen, um ins Leben zurückzukehren und dort eine straffreie Existenz aufzubauen.

Das Arbeitsfeld von Neustart geht aber weit darüber hinaus, durch die multiplen Problemlagen der inhaftierten, aus der Haft entlassenen Menschen ist die Beratungsstelle sehr intensiv mit der Suchtproblematik beschäftigt.

Besonders seit und während des Lockdowns fällt auf, dass viele Menschen, die obdachlos sind, in Aachen keinen Platz gefunden haben, wo sie ungestört sein können. Sie haben den öffentlichen Raum besetzt und sind negativ aufgefallen. An dieser Stelle wird der Bedarf nach Angeboten deutlich, die niedrigschwellig ansetzen und Raum für diese Menschen bieten und auf einem sanften Weg beraten werden können. Ein solches Angebot sollte dringend auf den Weg gebracht werden, um andere soziale Angebote in Aachen zu ergänzen.

Die Beratungsstelle ABK Neustart hat in der akuten Corona Krise, wie viele andere Beratungsstellen aus dem sozialen Bereich, Ihren Dienst ununterbrochen aufrechterhalten und dazu beigetragen, dass Menschen mit besonderen Bedürfnissen nicht ohne Ansprechpartner*in sind. Sie haben in dieser Zeit viele Leistungen kompensiert und dazu beigetragen, dass soziale System stabil zu halten. An dieser Stelle zeigt die Corona Krise wie eine Lupe, wie essentiell ein gutes, soziales Beratungssystem ist.

Eine ausreichende Basisförderung das Sozialsystem trägt maßgeblich dazu bei, um die nächste Krise resilient und stark zu überstehen. Hier gilt es bei den nächsten Verhandlungen zur Absicherung der Beratungsstellen besonders wachsam zu sein und darauf zu achten, dass die Leistungen aufgestockt werden, um umfassendere präventive Angebote machen zu können, die unser System stabilisieren und krisenfest machen.

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